Marokko

Mensch und Maschine, über Straßen oder Schotterpisten – die Tour beginnt. Kein Handy. Kein Navigationsgerät. Keine
Straßenkarte. Kein Problem? Werden wir sehen. Der Weg ist das Ziel? Klar, das ist er.

Und wenn der Weg zum Ziel weit in die schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas reicht, über spektakuläre Bergstraßen und durch aufregende Schluchten führt, umso besser. In weniger als fünf Flugstunden ist man in einer anderen Welt angekommen. Marokko ist ein faszinierendes Land von erstaunlicher landschaftlicher und kultureller Vielfalt an der Schwelle zum Orient. Ein Land für alle Sinne, das man spüren und erfahren muss – am besten unmittelbar: auf dem Motorrad.

Marrakesch. Es ist früher Morgen. Der Muezzin ruft und der Nebel lichtet sich gerade, als wir – Wolfgang K. Eckelt, Herausgeber des Top Career Guide Automotive und ein paar weitere Motorrad-Verrückte – uns auf eine Enduro-Erlebnis-Tour durch Marokko aufmachen. Die Häuser von Marrakesch im Rücken schlingert sich der Weg durch die Haouz-Ebene in Richtung Admat. Ja, es ist irgendwie widersprüchlich und faszinierend zugleich, mit einer nagelneuen BMW R 1200 GS durch den für uns Europäer so fremdartigen Nordwesten Afrikas zu fahren, durch jahrtausendealte Täler und durch Dörfer, wo die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Wir freuen uns auf unser Abenteuer und stellen uns der Herausforderung. Es geht in Richtung Hoher Atlas. Wir lassen die Städte hinter uns und starten auf den 2.260 m hohen Tizi-n-Tichka, einer der eindrucksvollsten Straßenpässe Marokkos.

Hier werden unsere Fahrkünste noch nicht zu sehr herausgefordert, dafür bleibt Ruhe, um die eindrucksvolle Landschaft und die fremde Kultur zu genießen. Anspruchsvoll wird der Weg auf der sogenannten „Straße der Kasbahs“, vorbei an beeindruckenden alten Wohnburgen aus Lehm und Sand. Wir sind hin- und hergerissen zwischen der Bewunderung für die fremde Kultur und dem Nervenkitzel des Offroad-Abenteuers. Weiter geht es in die spektakuläre Thodra-Schlucht, an der Felswände bis zu 300 m in die Höhe ragen und hinüber zur Dades-Schlucht, wo sich rote Erde und grüne Oasen abwechseln. Schließlich hält der Tizi-n-Ouano-Pass für Mensch und Maschine viele Herausforderungen bereit und wir erklimmen Stück für Stück die 2.900 m Höhe dieses höchsten Bergpasses unserer Tour.

Am vorletzten Tag steht die Überquerung des Tizi-n-Tazazert-Passes auf dem Programm. Da die Maschinen schon ziemlich beansprucht sind, werden vorher kleinere Reparaturen durchgeführt. Und weiter geht’s. Diese Gebirgsstrecke bietet fantastische Ausblicke, man kann sich hier streckenweise nur in Schrittgeschwindigkeit vorwärts bewegen. Die Tour des letzten Tages führt uns von Ouarzazate zurück nach Marrakesch wieder über den Hohen Atlas. Auf dem Djema El Fna, dem „Platz der Henker“, inmitten von Schlangenbeschwörern, Straßenhändlern, orientalischen Gerüchen, bei Bier aus Plastikbechern und marokkanischen Spezialitäten klingt unsere eindrucksvolle Enduro-Tour aus. Es lebe das Ziel. Es lebe die Straße. Am liebsten auf diesen zwei Rädern, die für uns Freiheit bedeuten.