Im Dialog mit Uwe-Carsten Städter

Mitglied des Vorstands Beschaffung, Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

Herr Städter, Porsche hat ein jährliches Beschaffungsvolumen von rund sieben Milliarden Euro. Was sind die größten Herausforderungen, denen Sie sich mit Ihren knapp 400 Mitarbeitern tagtäglich stellen müssen?
Mit rund 80 Prozent haben wir vor allem einen überdurchschnittlich hohen Anteil externer Wertschöpfung. Die Beschaffung übernimmt damit eine ganz zentrale Funktion innerhalb des Unternehmens. Und zwar geht es um weit mehr als nur den Einkauf von Produktions- und Nicht-Produktionsmaterialien. Im Mittelpunkt unseres täglichen Handelns stehen das aktive Management und die Weiterentwicklung unseres strategischen Lieferantenportfolios. In Zukunft spielt hier vor allem der technologische Wandel in der Automobilindustrie und damit einhergehend Themen wie beispielsweise E-Mobilität, Digitalisierung oder Konnektivität eine maßgebliche Rolle.

Hohe Qualitätsansprüche, anspruchsvolle Kostenziele, enge Terminvorgaben – wie schafft es der Einkauf von Porsche, in diesem Spannungsdreieck den Kopf über Wasser zu halten?
Langweilig wird es nie in der Beschaffung. Die hohen Qualitätsansprüche, Kostenziele und Terminvorgaben können nur im Rahmen einer engen Zusammenarbeit mit allen Fachbereichen bei Porsche umgesetzt werden. Und die Lösung liegt – wie so oft – im Detail und in einer perfekten, fachübergreifenden Abstimmung, die nur im Rahmen einer offenen Kommunikation erfolgen kann. Allerdings ist die Beschaffung weit mehr als nur eine interne Schnittstelle zwischen den einzelnen Fachbereichen. Wir bilden auch die Verbindung zu den externen Entwicklungspartnern und Lieferanten, die zu unserem Unternehmenserfolg beitragen.

Die Beschaffung leistet im Volkswagen-Konzern einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der „Strategie 2018“. Wie eng ist die Abstimmung mit den Einkäufern der anderen Marken?
Die Zusammenarbeit mit unseren Konzern-Kollegen ist sehr gut, sodass eine regelmäßige Abstimmung innerhalb des Konzerns zwischen den Marken und Regionen stattfindet. Natürlich ist dieser Austausch nicht nur auf den Beschaffungsbereich beschränkt, sondern findet auch in den anderen Fachbereichen wie beispielsweise der Entwicklung statt, sodass sich zahlreiche Synergien ergeben. Als Marke Porsche ist es uns dabei sehr wichtig, die einzigartigen Werte der Porsche DNA zu erhalten und weiter zu entwickeln.

Nach Ansicht von Experten wird die Digitalisierung der Lieferkette klassische Geschäftsmodelle revolutionieren. Was kommt in den nächsten Jahren auf die industriellen Einkäufer von Porsche zu?
Mittelfristig beeinflusst uns der tech- nologische Wandel am stärksten. Die Mehrdimensionalität bringt dabei zahlreiche Herausforderungen – sowohl für uns als Hersteller als auch für unsere Lieferanten. Nehmen Sie beispielsweise Ihr Smartphone: die durchschnittliche Produktlebenszeit beträgt vielleicht zwei Jahre, bei einem Fahrzeug sind es rund sieben Jahre. Die Kunden erwarten aber auch hier eine schnellere Produktentwicklung und mehr Innovationen. Zusätzlich sind die traditionellen Wertschöpfungsketten im Wandel und es entsteht ein neues Wettbewerbsumfeld rund um das Automobil. Teilweise wird man in Zukunft auch mit ganz neuen Akteuren zusammenarbeiten, die keinerlei Automotive- Erfahrung haben.

Der typische Einkäufer hat sich längst vom klassischen Bestellschreiber hin zu einem engagierten Keyplayer entwickelt, der die Unternehmensergebnisse nicht nur wesentlich beeinflusst, sondern auch die Strategie aktiv mitgestaltet.
Dieser Wandel ist insofern wichtig,
da die Beschaffung eine wesentliche Funktion im Unternehmen übernommen hat.

Stichwort Lieferantenmanagement: Was müssen Sie alles tun, um für Porsche eine Top-Supply-Chain sicherzustellen?
Entscheidend ist eine partnerschaftliche Beziehung, bei der wir einen intensiven Dialog mit unseren Partnern führen. Wichtig hierbei ist vor allem die nachhaltige Wertschöpfungskette, die nicht nur bei Tier-1-Lieferanten, sondern auch bei Tier-2- und Tier-3-Lieferanten umgesetzt und nachgehalten werden muss. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, ist unser Kaufteilemanagement aktiv bei den Partnern vor Ort und unterstützt die Prozesse. Zusätzlich versuchen wir, die Lieferanten frühzeitig in unsere Prozesse mit einzubinden, um Schnittstellen für einen strategischen Austausch zu schaffen.

Mit dem „Mission E“ zeigte Porsche auf der letztjährigen IAA einen komplett elektrisch betriebenen Sportwagen, der bis 2020 in Serie gehen soll. Was ändert sich im Einkauf, wenn das Thema E-Mobilität weiter Fahrt aufnimmt?
Das Projekt „Mission E“ zeigt, wohin die Reise geht. Aber auch dabei gilt: Porsche baut nicht einfach Elektroautos. Wir bauen Sportwagen in einer neuen Ära der Mobilität, die wie ein Porsche fahren und sich wie ein Porsche anfühlen. Das heißt, das Fahrzeug muss die für unsere Fahrzeuge typischen Werte erfüllen. Dabei ist unsere „Mission E“ in vielen Punkten Neuland: Die Beschaffung wird vor neue Herausforderungen gestellt, weil wir es mit ganz neuen Lieferanten zu tun haben, die aus vollkommen anderen Bereichen wie beispielsweise der Consumer-Industrie kommen und die keine Erfahrung im Automobilbereich haben. Hinzu kommen infrastrukturelle Maßnahmen, die notwendig sind, damit eine flächendeckende Ladeinfrastruktur gewährleistet ist. Oder es sind auch die immer kürzeren Produktlebenszyklen zu berücksichtigen, die im Rahmen der Digitalisierung vorangetrieben werden.

Sie gelten als Einkäufer aus Passion und sind schon viele Jahre in der Automobilbranche aktiv. Wie hat sich in dieser Zeit das Berufsbild des Einkäufers geändert?
Der typische Einkäufer hat sich längst vom klassischen Bestellschreiber hin zu einem engagierten Keyplayer entwickelt, der die Unternehmensergebnisse nicht nur wesentlich beeinflusst, sondern auch die Strategie aktiv mitgestaltet. Dieser Wandel ist insofern wichtig, da die Beschaffung eine wesentliche Funktion im Unternehmen übernommen hat. Als zentrale Schnittstelle zu den Lieferanten werden die Beschaffungsprozesse mit den Unternehmenszielen verknüpft und daraus folgend wertschaffende Vereinbarungen und Strategien mit den Geschäftspartnern gestaltet und umgesetzt. Sie sehen, das Aufgabenspektrum ist vielseitig und herausfordernd! Aus diesen Gründen sind wir immer auf der Suche nach engagierten und motivierten Mitarbeitern, die hierbei dynamisch mitwirken wollen.