Trucks you can trust


Über 600 PS, Allradantrieb, über 2.000 NM - Das ist der Stoff, aus dem Männerträume sind. Und dazu ein Gelände, das mit Schlechtwetterstrecke nur sehr unzureichend bezeichnet wird: Matsch, Schlammlöcher und über 30 Grad Neigung. Das rockt!

Man sagt ja manchmal »Da zeigt sich das Kind im Manne«. Alle waren schon als Jungs begeistert von Schlamm, Matsch, Baustelle spielen und Fahrzeugen, die die Sandberge rauf- und runterkamen, Kiesel aufgeladen haben, durch den Matsch fuhren und wieder abgeladen haben. 

 

Heute ist es bei mir soweit und es freut sich »das Kind im Manne«. Und meinem Gesprächspartner Stefan Buchner geht es genauso. Das kann man sehen. Der Leiter Mercedes-Benz Lkw strahlt, als wir uns auf dem Testgelände treffen, das sie bei Daimler liebevoll »Ferkelberg« nennen. Der Ferkelberg liegt direkt neben dem Mercedes-Benz-Standort Wörth in Rheinland-Pfalz, dem größten Lkw-Werk der Welt. Es ist der Lieblingsspielplatz der beiden Lkw mit Stern, die Stefan Buchner an diesem Tag mitgebracht hat. 


Stefan E. Buchner, Leiter Mercedes-Benz Lkw


In der Hollywood-Schaukel

Los geht’s. Der Leiter Mercedes-Benz Lkw klettert souverän in den Arocs, den geländegängigen Schwertransporter für den Baustellenmarkt. Der große Truck mit dem eindrucksvollen Kühlergrill, der wirkt, als würden vier Reihen Baggerschaufelzähne nach dir packen wollen, soll trotz seiner 33 Tonnen Gewicht diese Steigungen hier rauf- und runterkommen? Ich bin gespannt, schwinge mich zu Stefan Buchner in die Fahrerkabine – und schnell fehlen mir die Worte.

 

Der Ritt im Arocs ist ganz anders, als ich das erwartet hatte. Keine Schläge oder Schlaglöcher dringen zu uns durch, wir spüren nur sanftes Schaukeln. Der Truck fühlt sich an wie eine Hollywood-Schaukel – oder wie ein Lastenkamel, mit dem wir uns den Weg durch die matschigen Widrigkeiten der Strecke bahnen, stetig und unaufhaltsam.

Arocs rockt Offroad

Denn es ist ein sehr kräftiges Lastenkamel. Stefan Buchner gibt mir ein paar technische Eckdaten zu unserem Arocs durch. PS und Drehmoment klingen für mich schon spektakulär – doch die Technik unter diesem Baustellen-Riesen ist noch staunenswerter. 

 

Mit einem kleinen Hebel wird die »PowerShift 3« geschaltet, eine 12-Gang-Schaltautomatik, die es in sich hat: Sie sorgt für eine präzise, auf jede Fahr- und Beladungssituation angepasste Gangwahl, für kurze Schaltzeiten, einen hohen Fahrkomfort und enorme Wirtschaftlichkeit. Zusammen mit der Turbo-Retarder-Kupplung sind auch feinfühlige Manöver und Rangieren möglich. 

 

Trucks für die Zukunft

Nach einer beeindruckenden Runde über die Strecke sprechen wir auch über die »Straßen-Brüder« des Arocs in der Daimler-Trucks-Sparte, denen große Veränderungen bevorstehen. Es geht um Automatisierung, Vernetzung und Elektrifizierung – jene drei Megatrends, die alles umwälzen. »Die neuen Technologien bieten enorme Chancen für einen nachhaltigen Transport der Zukunft«, berichtet Buchner, »und diese Chancen werden wir ergreifen – zum Nutzen unserer Kunden und der ganzen Gesellschaft.«

»Das teilautonome und das autonome Fahren wird in der Logistik-Branche für viele Vorteile sorgen. Die Trucks können theoretisch 24/7 auf der Straße sein und somit viel effizienter genutzt werden«, schildert Buchner begeistert. Doch ist die Auslastung nur das eine. »Wenn in Zukunft viele oder alle Lkws autonom unterwegs sind, werden sie sich gegenseitig erkennen und in Kolonne fahren, das heißt im Windschatten des anderen Lkws, was wiederum sieben Prozent Diesel sparen kann.« Zudem brauchen autonom fahrende und miteinander vernetzte Lkws weniger Platz auf der Straße, denn der Bremsweg reduziert sich drastisch, wenn der Lkw schon nach 0,1 Sekunden reagiert. »Für drei Lkws auf unserer Teststrecke brauchen wir heute nur 80 m Fahrbahn statt bisher 150 m«, so Buchner. 

 

»Und wie steht es mit den Antrieben?«, frage ich. »Wie weit ist E-Mobilität ein Thema?« »Bei einem 40-Tonner wird es natürlich schwierig, aber Mercedes-Benz hat bereits einen Elektro-Truck vorgestellt mit einer Reichweite bis zu 200 km, ausreichend für eine typische Tagestour im Verteilerverkehr. Auch hier haben wir mit den Themen Elektromobilität und autonomes Fahren in Zukunft viel vor.« 

Starke Höchstleistung

Weiter geht es mit dem nächsten Highlight: Ich darf endlich das erste Mal in meinem Leben Unimog fahren. Mein Spaßfahrzeug für heute ist eine Legende: der Unimog U 5000. Das hochgeländegängige Multitalent für alle Einsätze. 

 

Seine extreme Verwindungsfähigkeit macht ihn zum einzigen Buddy, der überall weiterkommt, wo andere aufgeben müssen. Und schon bei der technischen Einweisung traue ich meinen Ohren nicht: Bis zu 16 Vorwärts- und 14 Rückwärtsgänge? Natürlich ein Allradantrieb mit wirklich unübertroffener Traktion und die extrem langen Federwege sorgen für Bodenkontakt in jeder noch so haarsträubenden Situation. Jetzt ist aber kein Halten mehr, der Motor blubbert, ich fahre an – und habe Puls. 

 

Ich bin von mir selbst überrascht. Ich hätte kaum für möglich gehalten, dass mich dieses ruppige Urgestein ohne jede Eleganz und Sportlichkeit so in den Bann zieht. Und damit untertreibe ich noch. Es ist einfach mega. So ein Spaß und gleichzeitig das erhebende Gefühl, die Faszination des Jungen in der Sandkiste realiter am Lenkrad auszuleben. Unfassbar.

Konsequent am Gas

Ich arbeite mich zielstrebig durch steinige Abhänge und Geröllsteigungen, der Untergrund rutscht, doch mein Buddy behält die Traktion. Manchmal lehnt er sich bedenklich zur Seite, dass ich mich fühle wie auf einem Kamel, weit oben und keine Kontrolle über das Geläuf da unten, doch dann wird es wieder flacher und das Drehmoment zieht mich geradeaus. 

 

Jetzt bin ich warm gefahren und möchte auch den steilsten Hügel der Strecke bezwingen. Je näher ich komme, desto angsteinflößender steht er vor uns. Doch ich nutze meine 16 Vorwärtsgänge aus. Für einen Moment habe ich das Gefühl, das Auto kippt hinter mir nach hinten, jedenfalls verliere ich den Weg vor mir fast aus dem Blick – und schon bin ich oben. 

 

Doch das hier hat nichts von Landstraße. Es wird eng, die Kuppe ist schmal und der Unimog kippt nach rechts. Wie war das mit der zulässigen Seitenneigung? Je stärker die Neigung wird, desto mehr gerät mein Vertrauen in den Stern ins Wanken und ich habe kurz Angst, mit diesem Rüpel zu kippen, doch der Unimog hält sich (natürlich) und findet wieder in eine annehmbare Schräglage zurück. 

Es bleibt spannend

Am Ende dieses spannenden Tages steht für mich eines fest: Der Tätigkeitsbereich des Lkw-Fahrers auf der Autobahn wird sich durch das automatisierte Fahren verändern, doch im Baustellenverkehr brauchen wir noch lange den erfahrenen Trucker, der seinen Betonmischer oder Muldenkipper fährt, manövriert und bedient – und bei dem sich »das Kind im Manne« doch jeden Sonntag schon auf Montag freuen muss!